Dienstag, 7. Oktober 2014

Long Weekend im Floating House

Und wieder die Ostsee - einmal mehr das Meer, von dem ich nicht lassen kann. Obwohl - das sei erwähnt, dass diese Reise ein Hochzeitsgeschenk war, ich das Ziel nicht in der Hand hatte, mich quasi gar nicht wehren konnte. Und auch nicht wollte. Wer schlägt schon ein langes Wochenende in einem Floating House am Krösliner See aus? Ich jedenfalls nicht. Außerdem - auch das sei der Vollständigkeit halber gesagt, liegt Kröslin am Westufer des Peenestroms, also somit nicht direkt an der Ostsee und ich war noch nie dort. Insofern: Alles Top!



Und so kamen wir spät abends in der Marina Kröslin an und bezogen Haus Oie - das einzige der vier großen Floating Houses, in dem ein Hund erlaubt ist. Der erste Blick ins Haus ließ mein Herz höher hüpfen, vor allem als ich auf der Terasse stand, Fische schnappen hörte, kurz die Himmelsausrichtung überprüfte und wusste, dass ich am nächsten Morgen entweder unten auf dem Steg oder hier auf der Terasse stehen würde, um den Sonnenaufgang zu beobachten und das Ganze vielleicht sogar mit einer Stipprute in der Hand.

Abendstimmung

Der Morgen


Genauso war es dann auch. Geweckt wurde ich durch den Ruf der Wildgänse, die in Scharen aus allen Himmelsrichtungen kamen und sich am Ufer einfanden. Ich setzte mich, in eine Decke eingehüllt und sah dem Schauspiel zu, das sich am Horizont abspielte. Nebel waberte über das Wasser und hüllte den Ufersaum sanft ein bis das Leuchten kam. Glutrot stieg der Planet auf und tauchte das Wasser, den Himmel und die Segelboote in ein warmes Orange. Was für ein Anblick. Mein Facebook-Kommentar dazu war: Weite, Staunen, Demut. Mehr nicht. Und genauso war es auch. Hundertfach gesehen und doch immer wieder neu, immer wieder anders und immer wieder einfach nur grandios. Ich war so fasziniert, dass ich sogar das Angeln vergaß.



Da das Wetter uns verwöhnte, ging es tagsüber an den Strand von Trassenheide. Ich gebe es zu, die Urlaubsorte respektive Strände von Usedom sind nicht auf meiner Top-Liste. Zu viel Kommerz, zu viele Menschen, zu viel Ramsch. Trotzdem war es schön, denn der Wind blies kräftig und ließ die Drachen der Kinder weit in den Himmel steigen, was für strahlende Gesichter sorgte. Und auch ich strahlte vor Glück, als ich bei einem kleinen Strandspaziergang auf ein wahres Bernsteinfeld stieß. Winzig klein leuchteten die Schmuckstücke aus dem schwarzen Strandgut, zwangen mich in die Knie, bis ich eine kleine Hand voll hatte.



Spät am Nachmittag ging es zurück, wie schon auf dem Hinweg mussten wir uns am Stauende in Wolgast anstellen. Ein Nadelöhr, das wahrscheinlich zur Hochsaison für lange Gesichter und gereizte Stimmung sorgt - nicht nur bei den Urlaubern.

Die Gemeinde Kröslin gehört komplett zum Naturpark Insel Usedom. Der Ort selbst war früher ein bedeutender Fischereistandort, heute zieht er Segler an, weil man von dort über den Greifswalder Bodden ohne Schleusen oder Brücken direkt auf die Ostsee gelangt. Die Marina Kröslin ist wirklich toll ausgestattet und die Floating Houses sind das große Plus. Egal, aus welchem Fenster man schaut, immer blickt man auf das Wasser. Urlaub im Floating House  kommt zwar an das "Hausbootfeeling" nicht ganz heran, ist aber für Menschen, die wie ich das Wasser und den weiten Blick schätzen, einfach schön.

Und auch für Angler ist dieser Ort ein Paradies. "Hier ist der Hecht" wurde mir gleich erzählt und mit ganzen Armlängen die Größen angezeigt. Geangelt habe ich natürlich auch noch. Allerdings erst am nächsten Tag gegen Abend und auch nicht den Hecht, da ich nur Stippruten dabei hatte. Für ein leckeres Abendessen und den Fangspaß hat es aber trotzdem gereicht.

Was mir einmal mehr in diesen Tagen aufgefallen ist, nachdem wir die Umgebung erforscht und auf der Heimfahrt noch ein Stück Richtung Stettiner Haff gefahren sind: Wie sich die ganzen Städte und Dörfer gemausert haben. Diese Gegend, also die Festland- und Boddenseite gehörte früher zu DDR- Zeiten nicht zu den beliebten Urlaubsregionen. Und auch jetzt haben es Orte wie zum Beispiel Ückermünde nicht leicht, Touristen anzuziehen. Aber sie sind auf einem guten Weg. Diese Gegend hat eine Geschichtezu erzählen, die interessant ist, eine Natur, die wirklich sehenswert ist und einen leise erwachenden Charme, der vielleicht in ein paar Jahren zum wahren Magneten wird.

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