Sonntag, 12. Oktober 2014

Ein "Liebster Award" und elf ganz persönliche Fragen

Wer sich im WWW ein wenig umschaut, wird schnell feststellen, dass es dort unzählige wunderschöne und vor allem informative Reiseblogs gibt. Geschrieben von Menschen, die nicht als Tourist, sondern als Entdecker ferne und nahe Länder erkunden und uns das Erlebte in die Wohnzimmer tragen. Eine von ihnen ist Patotra - eigentlich Ellen, die einen ganz tollen Reiseblog betreibt und dort von ihren Familienreisen (sie hat drei Kinder) erzählt und wertvolle Tipps gibt. Ellen hat mir heute ein sogenanntes Blogstöckchen zugeworfen.

Das Blogstöckchen ist ein "Liebster Awards" - eine Art Nominierung - etwas, das man an Blogs vergibt, die noch nicht so bekannt sind und die es wert sind, in die Welt getragen zu werden. Außerdem steckt dahinter die Idee, auch ein bisschen mehr über den jeweiligen Blogger zu erfahren, in dem man ihm elf Fragen stellt.

Liebe Ellen, vielen Dank für die Nominierung und Deine Fragen, die ich gern hier und jetzt beantworte.

Seit wann bloggst Du? 

Ich blogge seit 2007, schreibe allerdings schon viel länger, denn Schreiben ist mein Beruf und meine Berufung. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir nicht reicht, "nur" Artikel für Zeitschriften zu schreiben, sondern dass es einfach noch soooo viel mehr gibt, was mich bewegt. Ereignisse, Gedanken, Erlebtes von dem ich meine, das es wichtig ist, mehr darüber zu erzählen. Also habe ich 2007 den Blog "Die Spaziergängerin" eingerichtet. Der Name klingt nach einem Reiseblog und so verstehe ich ihn auch: als mein Spaziergang durch dieses Leben. Trotzdem habe ich eines Tages festgestellt, dass ich großen Spaß daran habe, auch ganz konkret über all die kleinen Reisen, die geliebten Alltagsfluchten zu schreiben und sie mit meinen Fotos zu ergänzen. Und so entstand im letzten Jahr  "OneDayTraveler".

Was und wen möchtest Du mit Deinem Blog erreichen? 

Die Frage ist spannend, denn ich weiß ganz genau, dass man - will man als Blogger erfolgreich sein - eine konkrete Zielgruppe vor Augen haben muss, die man bedient und für die der Blog einen Mehrwert, einen Nutzen hat. Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch zu wenig Gedanken gemacht. Bei der Gründung ging es zunächst um meinen eigenen Mehrwert. Es macht mir so unglaublich viel Spaß, meine Gedanken virtuell "zu Papier zu bringen". Und ich merke, dass der Funke überspringt, dass ich anderen damit auch eine Freude mache. Das ist ein unbezahlbarer, ideeller Wert. Trotzdem - wenn ich es mal eingrenze - dann richtet sich mein Blog wahrscheinlich an die Menschen, die auch gern reisen würden, aber nicht so recht in die Puschen kommen. In meinem Umfeld gibt es einige davon, die mächtig viel arbeiten und eingebunden sind und denen ich einfach zeigen will: "Hey, da draußen wartet eine ganz tolle Welt auf Dich. Und um die zu sehen und zu erleben, musst Du nicht mal weit fahren." Ein weiterer Grund, warum ich diesen Blog betreibe, ist meine Liebe zur Natur. Ich bin jemand, der mit sehr wachen und offenen Augen durch dieses Leben geht und immer wieder ergriffen und berührt ist von der Schönheit unserer Erde, anderer Länder, unseres Landes, meiner Heimat. Ich stehe irgendwo in der Natur und bin überwältigt von dem, was uns dieses Leben schenkt. Davon möchte ich erzählen, weil ich überzeugt bin, dass jeder, der die Schönheit wahrnimmt, ganz automatisch darauf achtet, sie nicht zu zerstören. Insofern ist mein Blog auch meine Mission.

Warum reist Du gerne?


Reisen hält mich lebendig.  Es bringt mich aus meiner Komfortzone heraus. Ich erfahre mich im Spiegel einer anderen Umwelt, eines anderen Kontext's und muss mich anpassen oder einfügen. Ich bin von Hause aus ein sehr neugieriger Mensch, der nie aufhören wird, die Freude an einer "Entdeckung" zu genießen. Reisen bündelt all das, konzentriert es. Einen Tag raus aus dem Alltag zu sein, kann so viel bewegen, so viel anstoßen, mich vorwärts tragen. Das ist toll!

Gibt es eine Begegnung auf Reisen, die Dich besonders beeindruckt hat?

Ich war im letzten Jahr in Russland und hatte die Gelegenheit, sehr tief in die Thematik der Geomantie einzutauchen. Die Geomantie bezeichnet sich selbst als Erfahrungswissenschaft. Es geht darum, in Resonanz mit einem Ort zu gehen, zu erspüren, zu erfahren, wie es energetisch um diesen Ort  bestellt ist. Jeder kennt das. Wir betreten einen Raum, eine Wohnung oder eine Landschaft und intuitiv fühlen wir, ob der Ort uns behagt oder nicht. Können die Energien frei und ungehindert fließen, entstehen Plätze und Landschaften, die zum Verweilen einladen, die blühen, die gedeihen. Blockierte Orte stoßen ab, vermüllen oder strahlen keine gute Energie aus und können Bewohner sogar krank machen. Unter diesem Aspekt eine Gegend zu bereisen, die vom 2.Weltkrieg extrem gebeutelt war und nach wie vor ist, das war eine Erfahrung, die mich tief und nachhaltig bewegt hat. Und die manches, was wir heute über Russland hören oder lesen, in ein ganz anderes Licht rückt.



Verrätst Du mir das schönste Hotel, indem Du jemals warst? 

Hier kann ich leider nicht mit exotischen Tipps punkten. Mein Lieblingshotel, das, worin ich einfach gern abtauche, ist das Speicherhotel in Barth. Es liegt toll, direkt am Bodden und ist so schön geschmackvoll hergerichtet, dass es mich mindestens einmal im Jahr dort hinzieht.



Hast Du ein Lieblingsreiseland und wenn ja, welches? 


Nein, habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man überall etwas Schönes, etwas Interessantes oder Spannendes entdecken kann. Da sticht kein Land heraus, zumal ich festgestellt habe, dass sich Vorlieben im Laufe der Jahre auch ändern können, weil wir uns und unsere Bedürfnisse ja auch verändern. Ich bin ein großer Ostsee-Fan, diese Region vermittelt mir ein Gefühl von Ruhe und Beständigkeit. Aber sie konkurriert nicht mit anderen Gegenden.



Gibt es etwas, was Du auf Reisen immer dabei hast? 


Ja, ein T-Shirt mit einem Aufdruck von Arsenal London. Das gehört eigentlich meinem Mann und ist sozusagen das Stück Zuhause, das ich vor allem mitnehme, wenn ich allein unterwegs bin. Ansonsten reise ich nie ohne meinen Fotoapparat.

Hast Du eine Lieblingsstadt? 


Ein klares Ja!: Barcelona. Abgesehen davon, dass mich mit dieser Stadt eine sehr persönliche Geschichte verbindet, finde ich Barcelona einfach großartig. Nicht zu groß, aber lebendig. Nicht zu hipp, aber sprudelnd. Barcelona hat für mich einen ganz eigenen Spirit. Ein Flair, das mich immer wieder aufs Neue begeistert.



Stell Dir vor, Du könntest einfach in einen Zug einsteigen und losfahren. Wohin würde der Dich bringen? 

Nach Russland. Um dort anzuknüpfen, wo ich im letzten Jahr aufgehört habe. Dieses Land ist faszinierend und ein Leben reicht wahrscheinlich nicht aus, um Russland wirklich zu ergründen, geschweige denn kennenzulernen.  Ich habe von den Geomanten gelernt, dass in Russland "das Herz der Erde" schlägt. Dem würde ich gern auf den Grund gehen.

Die Glücksfee kommt und Du hast drei Wünsche frei. Welche sind das? 

Da Du nicht explizit "Reisewünsche"  geschreiben hast, gehe ich mal davon aus, dass es um meine ganz persönlichen Wünsche geht. Also:
Ich wünsche mir, dass mir noch genug Zeit bleibt, den Menschen von der Schönheit unserer Welt zu erzählen.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder die Kraft und den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen und sich trotzdem als Teil einer großen Gemeinschaft verstehen.
Und ich wünsche mir, dass sich meine Berufung, also das Schreiben meiner Blogs und Bücher so entwickelt, dass ich weiterhin gut davon leben kann, denn es ist für mich die schönste Arbeit der Welt!

Wohin geht Deine nächste Reise?


In diesem Jahr reise ich noch für eine Woche nach Südtirol und für ein verlängertes Wochenende nach Barcelona. Im nächsten Jahr stehen auf jeden Fall New York und Island auf dem Plan und ganz viele Kurzreiseziele, die sich manchmal auch spontan ergeben können.

So - nun gehört zu solch einem "Liebster Award", dass man andere Blogger benennt, Fragen an sie stellt und das Blogstöckchen so weiter reicht. Ich werde mich mal umschauen, wem ich es zuwerfen kann. :-)

Kommentare:

  1. Liebe Jeannette,
    Ganz herzlichen Dank für Deine Antworten. Schön, dasss ich Dich, zumindest virtuell näher kennelernen durfte. Ich freue mich darüber ganz besonders. Ein paar Gemeinsamkeiten konnte ich auch entdecken ;-). In den Zug würde ich auf jeden Fall gerne miteinsteigen und es würde mich nicht wundern, wenn wir das schlagende Herz am Baikalsee finden. Zumindest meine ich, dass ich es dort vor vielen Jahren gespürt habe...
    Liebe Grüsse vom Bodensee,
    Ellen

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  2. Liebe Ellen, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, Russland...ich war selten so berührt von einer Reise. :-) Ich will auf jeden Fall wieder hin und ich freue mich auch sehr darüber, Deinen Blog entdeckt zu haben. Ich habe mich bishernie getraut, mit meinen Kindern so weit zu reisen wie Du, aber das, was Du erzählst, macht mir Mut. Liebe Grüße aus Berlin, Jeannette

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