Mittwoch, 24. September 2014

Träumen, Radeln und Wandern in der Lenzerwische

Es gibt Gegenden in unserem Land, die kaum jemand kennt. Erzähle ich von der Lenzerwische, dann ernte ich überwiegend fragende Blicke. Mit der Prignitz können einige Wenige doch schon etwas mehr anfangen und wenn ich auf den Elberadweg umschwenke, dann kommt meist ein Nicken. Dabei zählt die Lenzerwische für mich zu den schönsten Landstrichen meiner Heimat Deutschland.


"Zum Niederknien schön" habe ich unter ein Bild geschrieben, das ich während meines Kurztripps auf Facebook gepostet habe. Denn das ist die Lenzerwische - eine Insel der Ruhe, ein beeindruckendes Stück Land - ein wenig besiedeltes Feuchtgebiet im äußersten Nordwesten Brandenburgs zwischen den Orten Lenzen und Dömitz, das zum Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe - Brandenburg gehört und einfach idyllisch und urig zugleich ist.

Ich kenne diese Region schon etwas länger, habe sie zu allen Jahreszeiten besucht, habe eins der großen Hochwasser miterlebt, als die Elbe wirklich nur noch ein paar Zentimeter unterhalb der Deichkante stand oder die Zeiten des Niedrigwassers, als sich das Ufer der Elbe in einen schönen gelben Strand verwandelt hatte. Und egal wann ich dort war, dieser Landstrich hat mich immer auf eine ganz besondere Art verzaubert und fasziniert und es ist fast wie Magie - wenn ich lange nicht dort war, dann ruft es in mir, als ob der Schrei des Seeadlers schrill über die Weite der Wiesen erklingt.

Wenn ich die Lenzerwische besuche, dann übernachte ich stets im "Alten Hof am Elbdeich" im Örtchen Unbesandten. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen für die Gegend typischen Bauernhof, der allerdings mit unglaublich viel Liebe zum Detail umgebaut wurde. Im alten Haupthaus befinden sich Hotelzimmer und ein Restaurant, im ehemaligen Stall gibt es zwei sehr schöne Ferienwohnungen und eine Sauna und die Scheune ist teilweise als Veranstaltungsraum nutzbar und beherrbergt außerdem auch noch zwei Ferienwohnungen.

Das Haupthaus + Restaurant



Die ehemaligen Ställe





Deichweg
Ich fühle mich an diesem Ort einfach wohl. Es gibt so einen magischen Moment, von dem ich wahrscheinlich niemals in meinem Leben genug bekommen kann: morgens ganz früh oder abends zum Sonnenuntergang auf den Deich zu gehen und in diese unbeschreiblich schöne Natur einzutauchen. Das ist ein Augenblick, in dem ich gar nicht anders kann, als in Demut still zu werden und mich wie ein Kind über diese wunderschöne Landschaft zu freuen.





Die Lenzerwische ist übrigens ein Paradies für jeden Vogelliebhaber.  Hier den Herbst zu erleben, wenn sich die Schwalben versammeln, die Kiebitze rasten und die Kraniche auf ihrer Durchreise eine Pause einlegen, das ist wirklich einmalig. Über die kalten Monaten nutzen viele Wasservögel diesen Landstrich, um hier zu überwintern. So sieht man in der Uferregion riesige Schwärme von Sing- und Höckerschwänen, Saat- und Blässgänsen. Gänsesäger und Pfeifenten halten sich dagegen eher auf dem offenen Wasser auf und sind vom Ufer aus gut zu beobachten.

Schön ist auch das Spektakel im Frühjahr, wenn die vielen Störche ihre Nester einnehmen und Horden von Graugänsen über das Land ziehen, sich niederlassen und mit der Balz und Brut beginnen. Dann kehren auch die Graureiher in ihre Kolonien zurück und beginnen zu brüten.



Spaziert oder radelt man über den Elberadweg, dann kommt einem zwangsläufig in den Sinn, dass dieses Gebiet bis vor 25 Jahren noch Grenzgebiet war. Es klingt seltsam, aber diese Grenze war ja nicht nur Eiserner Vorhang oder Todesstreifen, sondern eben auch ein nahezu ungestörter Rückzugsraum für die Tier- und Pflanzenwelt. Hier konnten sich einmalige Biotope entwickeln und erhalten, die man sonst kaum noch findet. Der Streifen des "Grünen Bandes", der als „Nationales Naturerbe" im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien im Jahr 2005 nachdrücklich bestätigt wurde, zieht sich von der Ostsee bei Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof und die Lenzerwische ist ein Teil davon.

Fazit: Für alle Berliner und Umlandberliner, die innerhalb von zwei Fahrstunden mal schnell dem Alltag entfliehen wollen, ist diese Gegend das Paradies vor der eigenen Haustür. Egal ob für ein Wochenende, einen Tagesausflug oder einen längeren Aufenthalt, vielleicht ja auch per Rad. Unterkünfte gibt es entlang des Deiches reichlich. Und auch für Nichtberliner lohnt sich die weitere Anfahrt. Die Prignitz ist eine beliebte Ferienregion mit vielen Sehenswürdigkeiten und einer wirklich traumhaft schönen Natur.

Kommentare:

  1. Hallo Jeannette,
    wirklich ein bezauberndes Fleckchen Erde, Hier würde ich gerne meinen Urlaub verbringen, das Haus ist einzigartig.
    Wunderschöne Fotos, die du hier gemacht hast:
    Hab natürlich sofort Dr. Google gestartet und mir das genau angeschaut wie weit das von uns entfernt liegt und in welcher Ecke. ca 800 km, aber es wäre eine Reise wert,
    Lg Sadie

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  2. Ja, eine Reise wert ist es auf jeden Fall. Man muss allerdings die Ruhe mögen, denn viel los ist dort nicht - außer eben die Natur :-)

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  3. Liebe Jeannette,

    ich weiß genau wovon Du sprichst. Ich hab auch schon mal dort übernachtet.
    Und mir hat es dieses Fleckchen Erde so sehr angetan, dass ich in wenigen Monaten von Hamburg dorthin ziehen werde. Zwar nicht in die Prignitz, aber ein Stückchen die Elbe hoch Richtung Hamburg ins Amt Neuhaus.

    Die Natur dort löst in mir aber auch die Gefühl aus, die Du in Deinem Bericht beschreibst :-)

    Liebe Grüße
    nadine

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