Dienstag, 30. September 2014

Kraniche am Horizont

Wenn die Kraniche im Herbst in den Süden ziehen, zieht es mich automatisch in den Norden. Dorthin, wo sich diese wunderschönen stolzen Vögel sammeln und auf den Feldern für ihren Weiterflug stärken. Dorthin, wo ihre Rufe weit über das Land hallen und sie mit ihrem majestetischen Flügelschlag den Himmel schmücken.



"Und, wo seid ihr am Wochenende?" fragte man mich am letzten Donnerstag. "Auf dem Darß.", gab ich zur Antwort, wohlwissend, dass das eigentlich falsch ist, denn die Halbinsel heißt  "Fischland-Darß-Zingst". Da das aber viel zu umständlich klingt, sagen die meisten Menschen, die ich kenne, kurz: "Darß" und so bleibe auch ich hier bei dieser Bezeichnung.

Ausgangspunkt unserer Reise war auch gar nicht der Darß, sondern das Speicherhotel Barth. Das liegt direkt am Barther Hafen und somit am Barther Bodden und ist nicht nur ideal, um mal ein nettes  Wochenende zu verbringen, sondern auch als Startpunkt für viele Unternehmungen auf und um den Darß herum sehr geeignet. Für Kranichliebhaber bietet das Hotel im Herbst ein besonderes Arrangement an, zu dem unter anderem auch eine Kranichtour mit dem Boot gehört.

Aber fangen wir am Anfang der Reise an, denn Kraniche beobachtet man am besten am späten Nachmittag und so blieb uns genug Zeit, bei einem Strandspaziergang den schönen Altweibersommer auszukosten. Die Halbinsel hat viele weite Strände, aber auch ein Stück Steilküste zu bieten. Dieser Abschnitt liegt bei Ahrenshoop und es gibt dort ein Fleckchen, das wohl zu den beliebtesten Fotomotiven der Ostseeküste gehört. Kennst Du die drei Bäume am Bakelberg? Dort fängt der Hochuferweg an, der von Ahrenshoop nach Wustrow führt und mit zu den außergewöhnlichen Wanderwegen der Halbinsel zählt.


Uns zog es diesmal nicht an die Steilküste und den Hochuferweg, sondern an den Strand von Prerow und zwar an jenen Abschnitt, der direkt vor dem großen Campingplatz Regenbogen AG liegt und bis zum Nothafen führt. Der Nothafen, das war ursprünglich der Schnellboothafen der Nationalen Volksarmee, heute ist er Ankerplatz des Seenotrettungskreuzers und ein beliebter Spot für Naturfotografen. Auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt liegt nämlich die Nationalparkkernzone,  die nicht betreten werden darf und so nisten und brüten dort seltene Wasservogelarten, die die Fotografen mit ihren riesigen Teleobjektiven einzufangen versuchen.

Einfahrt vom Nothafen


Der Strand ist wirklich schön hier und hat, so wie die meisten Darßer Strände durch den nahezu weißen Sand fast schon Karibisches Flair, wären da nicht die vielen Muscheln und der deftige Geruch des Schlicks, der uns in die Nase stieg, da der letzte Sturm ordentlich Seegras und Algen angeweht hatte, die nun am Strand vermoderten. Leider werden nicht nur Wasserpflanzen angespült, sondern mittlerweile auch jede Menge Plastik und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass es nicht gut um unsere Meere steht, dass die Tiere darunter leiden und uns unser eigener Müll irgendwann mal buchstäblich über den Kopf wachsen wird.


Aber noch überwiegt das Schöne und so wateten die kleinen Alpenstrandläufer durch das flache Wasser und erfreuten die Strandspaziergänger mit ihrem fröhlichen Gewusel.

Alpenstrandläufer

Nach vielen Strandmetern und einem ausgiebigen Sonnenbad, lockte uns der Hunger dann doch wieder Richtung Ahrenshoop und zwar zum wohl besten Fischimbiss der Halbinsel, den Fischerkaten. Wenn Fischsuppe oder Fischbrötchen, dann hier. Urig und deftig. Ohne Schnickschnack. Eben Norddeutsch.


Gestärkt ging es anschließend auf Kranichtour - genauer gesagt auf den Barther Bodden in die Nähe der Meiningenbrücke, die das Festland mit der Halbinsel verbindet. Etwas unterhalb von Zingst liegen die beiden kleinen Inseln Kirr und Oie, die nur ein paar Zentimeter aus dem Wasser ragen, für Besucher gesperrt sind, jedoch Tausenden von Kranichen als Schlafplatz und einigen Wasservogelarten als Brutplatz dienen.

Wir hatten uns noch gar nicht weit vom Barther Hafen entfernt, da waren am Horizont auch schon die ersten Kranichketten zu sehen. Der Kapitän des Bootes plauderte nett mit uns Gästen und wusste viel Wissenswertes über die Kraniche zu berichten. Dass sie absolut ungestört sein müssen, sonst kommen sie nicht zu diesen Plätzen zurück. Dass sie Meister der Energieeffizienz sind, immer mit dem Wind fliegen und darum auch erstmal eine große Runde um die Inseln drehen, bevor sie landen. Es war wirklich spannend und lehrreich, anders als die üblichen Bootstouren, weil man dem Kapitän anmerkte, dass er Spaß an seiner Arbeit hatte und das Kranich-Schauspiel mit demselben Enthusiasmus verfolgte, wie seine Gäste, die von einer Bootseite zur anderen sprangen, um zu fotografieren. Dazu kamen die beeindruckend schöne Landschaft, die Tiere und ein grandioser Sonnenuntergang, der Bilder zauberte, die man ins Herz nimmt und so schnell nicht vergisst.

Ich weiß es jetzt schon: ich werde auch im nächsten Jahr wiederkommen, meinen Blick zum Himmel richten, den Vögeln des Glücks wehmütig nachschauen und einmal mehr darüber staunen, welche Strecken Zugvögel Jahr für Jahr zurücklegen und wie zuverlässig sie das tun. Für mich hat dieser Gedanke so etwas Verlässliches, etwas, worauf ich vertrauen kann in einer Welt, die sich scheinbar immer schneller dreht.


Der Zingster Hafen

Kranichketten



Das Speicherhotel Barth im Abendlicht



Kommentare:

  1. Liebe Jeannette,
    wieder eindrucksvolle Bider, die mein Fernweh-herz höher schagen lassen, ;-)
    Ich brauche keine Weltreise, doch von solch idyllischen Plätzen kann ich nicht genug
    bekommen. Die Ruhe, die Natur, das fasziniert mich einfach.
    Das der Kranich als Symboltier für Wachsamkeit, Klugheit und ein langes leben steht, habe ich
    nicht gewusst, Für mich werden sie künftig auch "Die Vögel des Glücks" hei0en.
    Lg Sadie
    Lg Sadie

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  2. Liebe Sadie, ja, so geht es mir auch - es müssen gar nicht immer die fernen Länder sein, wir haben vor der eigenen Haustür so schöne idyllische Plätze und Orte. :-)
    LG
    Jeannette

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