Montag, 8. September 2014

Die eher unbekannte Seite Rügens





Mein letzter Tag auf Rügen führt mich nach Putbus und dann am Rügischen Bodden entlang bis nach Glewitz. Von dort geht es mit der Fähre zurück aufs Festland, wo ein weiteres Highlight auf mich wartet: ein Mondscheinsegeltörn von Stralsund bis nach Hiddensee.


Doch bis der Mond aufgeht, sind es noch ein paar Stunden. Ich packe meine Sachen zusammen, verlasse das Hotel und fahre Richtung Putbus. Die Stadt liegt unterhalb von Bergen, nicht weit von der Südküste Rügens entfernt und wird auch die "weiße Stadt" genannt. Warum das so ist, erkennt man leicht, wenn man in den Ortskern fährt - die meisten Gebäude sind weiß gestrichen und teilweise wirklich ansprechend restauriert. Hier hat man sich in den letzten Jahren auffallend Mühe gegeben, den äußerlichen Charme der einst fürstlichen Residenzstadt wieder zu beleben.

Leider bleibt es für mich bei einem Versuch, denn der Funke springt nicht über. Dabei ist Putbus an sich schön und architektonisch durchaus interessant, wirkt aber leider irgendwie kalt und leblos. Die Stadt lädt überhaupt nicht zum Verweilen und zum Schlendern ein. Ich bin durchgegangen, habe links und rechts geschaut, dachte mal: "Ja, hübsch.", aber das war es dann auch. Putbus ist eine klassische Reißbrettstadt, die im 19. Jahrhundert nur eine Funktion erfüllen sollte: sie sollte Bäderstadt sein. Nun liegt Putbus aber nicht direkt am Wasser, was die Sache mit der Bäderstadt ad absurdum führte.

Da half es auch nicht, dass man im Nachbarort Lauterbach ein klassizistisches Badehaus baute. Der Traum der Herrschaft platzte und mit dem Abgang des Fürstentums verlief die Idee im sprichwörtlichen Sande. Zu DDR-Zeiten konnte man leider nicht viel mit den herrschaftlichen Gemäuern anfangen. Sie waren suspekt, wurden entweder abgerissen, umgewidmet oder dem Verfall preisgegeben. Dass man heute bemüht ist, den Schaden wieder gut zu machen, verdient Respekt, aber es braucht wohl noch die zündende Idee, um aus Putbus wieder einen kraftvollen, zum Verweilen einladenden Ort zu machen.

Das einzige, was mir wirklich imponiert hat und was absolut sehenswert ist: der Schlosspark von Putbus. Der ist ein Gedicht. Hier findet man alte Bäume, die ich als wahre Schätze bezeichnen würde. Unter ihnen zum Beispiel riesige Mammutbäume und eine Kastanienallee, der die Miniermotte noch nichts anhaben konnte und bei der es einfach nur Spaß macht, hindurchzuschreiten und sich königlich zu fühlen. Darüber hinaus gibt es im Park auch noch ein Wildgehege, eine schöne Schlosskirche und den alten Marstall, der heute für Veranstaltungen genutzt wird.





Nach dem Besuch im Schlosspark begebe ich mich ein kleines Stück auf den zehn Kilometer langen Wanderweg, der von Putbus nach Lauterbach und Neuendorf bis an den Rügischen Bodden und zurück führt. Da aber mein Hund streikt, weil er sich bei unserem Hiddensee-Besuch, beim Tollen über die Steine der Steilküste an der Pfote verletzt hat und nun humpelt, breche ich das Ganze ab, verabschiede ich mich von Putbus und setze meinen Weg mit dem Auto über kleinste Landstraßen bis hin nach Glewitz fort. Ich fahre durch Dörfer, die überhaupt nicht mehr touristisch anmuten und muss einmal mehr feststellen, dass mir Rügen so besonders gut gefällt. Dass gerade diese eher unbekannte Seite der Insel viel Charme und Charakter besitzt.


In Glewitz endet mein Rügenaufenthalt. Während ich auf der Fähre stehe, die nach Stahlbrode übersetzt, lasse ich die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Nur zu sagen, dass es schön war, wäre die pure Untertreibung. Schön war es auf jeden Fall, so zu reisen. Mich treiben zu lassen und nicht nur Neues zu entdecken, sondern auch Altbekanntes in einem neuen Licht zu sehen. Die Insel hat mich in den letzten vier Tagen wirklich begeistert. Sie ist unglaublich vielseitig und abwechslungsreich. An einigen Stellen ist sie eine Oase der Ruhe und an anderen Orten wieder quirlig und spannend. Die Natur ist stellenweise wirklich ergreifend und einzigartig. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, weil ich überwältigt war von der Anmut und Schönheit dieses Landstriches. Wer Rügen bisher nur von einem Badeurlaub kennt und neugierig auf mehr ist, dem kann ich die einzelnen Stationen meiner Reise nur empfehlen.


Doch nun geht es für mich nach Stralsund, denn dort liegt im Seglerhafen das Segelboot "enjoy" von SeaTrips, das man für Segelausflüge mieten kann. Nun bin ich selbst kein Segler, aber der Reiz, mal mitzusegeln war groß und so habe ich für mich und meinen Mann, der dafür extra mit dem Zug nach Stralsund gekommen ist, einen Mondscheinsegeltörn nach Hiddensee gebucht. Das kann man übrigens entweder direkt bei Seatrips klarmachen, oder man bucht über mydays.

Kosten für unseren Törn: 48,00 Euro pro Person inklusive einem kleinen Snack an Bord.





Der Mond war zwar nicht zu sehen, dafür blies der Wind ganz ordentlich. Für Ende August war es allerdings ziemlich kalt, also mussten wir zeitig zu Mütze und Jacke greifen, was die Freude an diesem Törn aber keinesfalls trübte. Wer wollte, konnte übrigens mit anpacken und bei Wende und Halse zumindest kleine Handgriffe verrichten. Inklusive der Crew waren wir zu zehnt an Bord - das ist zwar eng, stört aber nicht. Das Schönste war für mich am Ende gar nicht das Segeln an sich, sondern abends in der Dunkelheit kurz vor Stralsund zu ankern und auf die Stadt auf der einen und auf die Insel auf der anderen Seite zu schauen. Ein schöner Abschluss für meinen kleinen Rügen-Trip.

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