Freitag, 1. August 2014

Ferien auf dem Hausboot

Ich bin dann mal weg - der Spruch, der mittlerweile schon etwas abgedroschen klingt, passt im Falle der Hausbootferien hervorragend. Denn wirklich - man taucht in eine andere Welt ab, nimmt die Landschaft aus einer anderen Perspektive wahr, erlebt Entschleunigung und sehr naturnahe, analoge Momente. Ferien auf dem Hausboot bieten unglaublich viel, vor allem aber eins: Abschalten auf ganz hohem Niveau.


Fünf Tage waren wir auf der Havel und ihren angrenzenden Seen unterwegs. Ausgangspunkt war das Schloss Plaue, das momentan zwei Hausboote vermietet. Schon nach den ersten Metern auf dem Wasser wusste ich, dass dieser Urlaub irgendwie anders sein wird. Ich hatte es ja schon von Freunden gehört oder in einigen Zeitungen gelesen: Ferien auf dem Hausboot sind die pure Erholung. Und richtig - ich bin noch nie in so kurzere Zeit komplett aus meinem Alltagstrott gekippt worden und ich habe mich noch nie in so kurzer Zeit so gut erholt. 

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss...


Sonnenuntergang Plauer See


Sonnenaufgang über der Havel mit Blick auf die alte Havelbrücke von Plaue
Die Landschaft, die Natur, dicht dran zu sein an all dem. Mit dem Wetter zu leben, morgens den Nebel über dem Wasser zu sehen, abends den Sonnenuntergang. Ein Gewitter hautnah zu erleben. Nicht durch die Glasscheibe eines Fensters, sondern mitten auf einem See. Zu sehen wie es heranrollt, die Blitze zu zählen und jede Welle zu spüren - einfach wunderbar. 
Der Regen zieht über das Land, hängt einen Schleier über das Wasser, sodass man das gegenüberliegende Ufer nicht mehr erkennen kann. Ich bin fasziniert. In jedem Augenblick. 

Langeweile kommt an Bord nicht auf. Egal bei welchem Wetter, egal ob morgens oder abends. Es gibt immer etwas zu sehen, zu tun, zu hören, zu fühlen. Hausbootferien sind ein Fest für die Sinne und die Seele. Stundenlang aufs Wasser zu schauen, jede noch so kleine Bewegung wahrzunehmen, andere Boote in der Ferne zu beobachten und einfach auch die Zeit zu vergessen. Großartig. Welcher Tag ist heute? Montag? Mittwoch? Nach ein paar Stunden und dem ersten glutroten Sonnenuntergang hatte ich das Gefühl ewig weit weg von zu Hause und jenseits aller Zeiteinheiten zu sein.

Schön waren auch die Geräusche. Die Regentropfen die aufs Wasser fielen, das Klingen der Karabinerhaken der Segelboote, die vertäut im Hafen lagen, das Geräusch, das die Wellen verursachten, die an die breite Front des Hausbootes klatschten, das Röhren des Motors, das Platschen der Raubfische, wenn sie kurz aus dem Wasser sprangen, um ein Insekt zu fangen.

Anlegeplatz Kirchmöser Dorf


Selten habe ich einen so naturnahen Urlaub erlebt. Fische, Wildgänse, Seeadler, Möwen, Enten, Kormorane, Schwalben, Fischreiher. Sie lassen erahnen, welchen unglaublichen Reichtum die Natur zu bieten hat. Die Spinnen an Bord mögen vielleicht nicht jedermans Sache sein, aber sie gehörten auch dazu und hielten fleißig die Mücken und Fliegen fern. Und überhaupt - wer einmal zugeschaut hat, wie kunstvoll sie ihre Netze weben, der wird vielleicht seine Vorbehalte ablegen. Neben den Spinnen, die sich meist erst bei Einbruch der Dunkelheit zeigten, hat uns am dritten Tag sogar eine Ringelnatter an Bord besucht. Wie sie es geschafft hat, die Bordwand zu erklimmen, bleibt ein Rätsel.

Kormorane am Ufer


Um noch ein wenig Atmosphäre rüberzubringen, hier ein Auszug aus meinem Reisetagebuch:

"Regen setzt ein, innerhalb von Minuten verschleiert sich die Sicht, schemenhaft ragen die Bäume am anderen Ufer aus den Büschen und Sträuchern. Die Vögel verschwinden von der Bildfläche. Hier und da zeigt sich ein Segelboot, das auf der vom Wind abgeneigten Seite ankert um nicht zu kentern. Lastkähne ziehen unbeirrt von allem ihre Bahn. Sie fahren deutlich schneller als erlaubt, man muss ihnen rechtzeitig ausweichen, um nicht durch lautes Hupen erschreckt zu werden. Vor uns fährt ein anderes Hausboot. Sicher gleitet es über die Wellen. Der Steuermann winkt uns freundlich zu. So wie alle anderen, die in den letzten Tagen unsere Wasserwege gekreuzt haben.
Wir ankern unweit vom Ufer. Der Motor schweigt, wir kurbeln die zwei Pfähle hinunter, die dafür sorgen, dass das Hausboot in seiner Position bleibt. Gestern  als es gewitterte und stürmte, brauchten wir sogar einen Extraanker, so rüttelten die Wellen am Boot. Aber genau das ist es, was ich meine. Dieses Leben hier ist so unglaublich analog. Selbst wenn man ab und zu aufs Handy schaut, oder das letzte Bild von dem beeindruckenden Sonnenuntergang in die sozialen Netzwerke schickt.

Ich habe seit fünf Tagen keine Nachrichten geschaut, keine Online-Portale mehr besucht. Was mich zuhause noch geängstigt und beunruhigt hat, ist plötzlich so weit weg. Es zählt hier einfach nicht mehr. Und ich genieße das. Trotz der Langsamkeit und der Entschleunigung fühle ich mich unglaublich lebendig und kraftvoll. Die Natur tut mir gut. Auf dem Wasser zu sein, tut mir gut. Hin und wieder hineinzuspringen, zu planschen, zu tauchen und in einem anderen Element zu sein, das gibt mir Kraft. Ich beobachte, wie meine Kinder zur Ruhe kommen, wie sie jedes Erlebnis in sich aufsaugen. Man muss mit Kindern nicht ans Ende der Welt reisen, ein Hausboot auf einem Brandenburger See ist Abenteuer genug." 


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Wer gern angelt, kommt übrigens in diesem Gebiet voll auf seine Kosten. Eine Angelgenehmigung und das nötige Equipment kann man sich im Angelladen Plaue bei Jan Borek besorgen. Er ist der absolute Profi für alle Fragen rund ums Hobbyfischen und wer bei ihm im Laden steht oder mal einen Blick auf seine Webseite wirft, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Mir war jedenfalls gar nicht klar, dass es bei uns soooo große Fische gibt und ich war ehrlich gesagt froh, dass an unseren Stippruten nur kleine Exemplare zappelten. 

Ausflug mit den Stippruten

Zufallsschnappschuss: Jan Borek ohne Angel unterwegs


Mein Fazit: Ferien auf einem Hausboot sind eine großartige Sache für alle Menschen, die naturverbunden sind, abschalten wollen und die Tatsache, dass man auf großen Luxus verzichtet, als Qualität betrachten. Die Einrichtung der Hausboote ist halt ihrer Größe angepasst - es ist alles da, was man braucht. Nicht mehr und nicht weniger und notfalls kann man ja auch jederzeit ankern und an Land gehen. Die Boote sind zusätzlich mit einem Ruderboot ausgestattet, sodass man auch an Stellen, wo die Wassertiefe unter einem Meter ist, ankern kann und den Rest bis zum Land im Ruderboot zurücklegt. Die Wasserstraßen der Havel sind sehr anwechslungsreich. Es lohnt sich, hier und da anzulegen und sich umzuschauen. Tipps und Navigationshilfen findet man im Törnatlas oder hier auf dieser Webseite: Faszination Havel. Chartern kann man die Boote direkt über den Kontakt Schloss Plaue. Der Steuermann bekommt eine etwa dreistündige Einweisung und erhält für die Dauer des Urlaubs eine Charterbescheinigung.

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