Samstag, 30. August 2014

Der liebliche Südosten Rügens


Der zweite Tag meiner kleinen Rügenreise führte mich in den Südosten der Insel. Hier wollte ich mir als erstes die Großsteingräber anschauen. Den weiteren Verlauf der Tagestour entschied ich spontan, denn sich mal treiben zu lassen, einfach den inneren Impulsen zu folgen, das ist eine Qualität, die im Alltag eher selten vorherrscht, die allerdings für das Freiheitsgefühl von primärer Bedeutung ist.

"Aktion statt Reaktion" - das war mein Motto des Tages. Nicht zu wissen, was mich erwartet, neugierig dem Tag und den Wegen folgen. Was für ein Luxus. Ich war mir dessen bewusst, während ich mein Auto in der kleinen Haltebucht abstellte, von der aus der Weg zu den Großstein- oder Hünengräbern führt.

Die Hünengräber, die kurz hinter dem Ort Lancken-Granitz auf der Halbinsel Mönchgut stehen, sind ein Überbleibsel aus der Jungsteinzeit (etwas 2300 v. Christus). Man nennt sie auch Dolmen und wer ein wenig recherchiert, der findet schnell heraus, dass sich viele Mythen um diese Grabstätten ranken. Einer stammt zum Beispiel aus der Buchreihe "Anastasia" in der ein russischer Großindustrieller einer Frau begegnet, die in der Taiga, völlig abgeschnitten von der Zivilisation lebt. Sie hat die Gabe, mit Tieren zu sprechen und auch sonst verfügt sie über außergewöhnliche Fähigkeiten. Anastasia weiß über Dolmen zu berichten, dass sie wie eine Verbindung zum kollektivem Bewusstsein, eine Art Informationsempfänger kosmischer Weisheiten sind. Einst sollen dort die Menschen begraben worden sein, die über geheimes Wissen und jene übersinnlichen Fähigkeiten verfügt haben. Und so soll man heute, wenn man sich in einen Dolmen setzt und in die Stille geht, angeblich auf jede gestellte Frage eine Antwort bekommen.

Ich habe es nicht ausprobiert. Wobei mich die Antwort auf die Frage, wie die Menschen damals diese Bauwerke errichtet haben, schon interessiert hätte. Das weiß man nämlich bis heute nicht. Dabei wäre es spannend, denn schließlich sind die Decksteine keine Kieselsteine, sondern mächtige Gesteinsplatten. Die Exemplare auf Rügen gehören übrigens zu den ältesten noch erhaltenden Grabstätten Europas. Fast könnte man meinen, es handle sich um einen prähistorischen Friedhof, denn es gibt nicht nur ein Grab, sondern gleich fünf, die nacheinander von Bäumen umgeben wie kleine Inseln an einem Weg aufgereiht sind. Prädikat: Sehr sehenswert!



Beeindruckt von den Steingiganten, blickte ich mich um und dachte mir, dass dies wirklich ein schöner Ort ist, um sich begraben zu lassen. Weite Felder, eine leicht hügelige Landschaft und in unmittelbarer Entfernung Bodden und Ostsee. Alles in allem wäre das ein Ort, der mir als letzte Ruhestätte auch gefallen könnte. Doch noch bin ich lebendig und so ließ ich mein Auto stehen, um meine Tour zunächst per Fuß fortzusetzen und mich an diesem wunderbaren Umland zu erfreuen.

Mein Wanderweg führte mich nach Neu Reddevitz, einem kleinen Fischerörtchen, das im Grunde nur an einer einzigen Straße liegt, die direkt am Greifswalder Bodden endet.


Alles in und um Neu Reddevitz gehört zum Biosphärenreservat Südost-Rügen. Und das hat den Namen wirklich verdient, denn die abwechslungsreiche Landschaft, beherrbergt viele Tiere und Pflanzen, die man sonst eher selten sieht, hört oder findet. Abgesehen davon ist es wirklich ein begnadet schönes Fleckchen Erde mit Tradition und das jenseits der großen Touristenströme Rügens. Ich konnte mich gar nicht sattsehen.


Läuft man bis zum Ende der "Magistrale" von Neu Reddevitz, hat man einen herrlichen Blick über den Greifswalder Bodden, genauer gesagt über den Rügischen Bodden, wie er an diesem Abschnitt heißt. Und man schaut auf die Insel Vilms, die zu DDR-Zeiten dem gemeinen Volk vorenthalten wurde und die, wenn man von oben draufschaut, aussieht wie ein Wal. Dass Vilms ab 1959 nur von den Mitgliedern des Ministerats der DDR besucht werden durfte, erwies sich für die Natur als wahrer Segen, denn nur so konnten Flora und Fauna hier prächtig und ungestört gedeihen. Heute kann die Insel von Jederman besucht werden - wohnen kann man dort allerdings nicht, denn die elf Häuser, die auf Vilms stehen, werden von Naturschutzvereinen genutzt.


Schaut man über den Rügischen Bodden ein wenig links von Vilm, dann bleibt das Auge an einem Bauwerk hängen, das so gar nicht in diese Landschaft passt. Wie ein Ungetüm ragt eine Betoninsel aus dem Wasser und lädt die Phantasie ein, Purzelbäume zu schlagen. Der Fokus meiner Kamera brachte dann die Auflösung:




Worum es sich bei diesem seltsamen Bau handelt, konnte ich auf einer Infotafel lesen - eine Entmagnetisierungsanlage, die die Volksflotte der DDR nutzte, um Schiffe vor Magnetminen zu schützen. Die Volksflotte gibt es nicht mehr und so ist diese künstliche Insel heute nur noch der Witterung und dem Vandalismus ausgesetzt. Angeblich soll sich jetzt ein Investor gefunden haben, der dort eine Kulturelle Begegnungsstätte errichten will. Wie realistisch das ist, das wissen allerdings nur die Wellen. :-)

Landzungen, Landwirtschaft und ein fast endloser Strand


Die nächste Station meiner Mönchgut-Tour war das kleine Seglerhafenörtchen Seedorf, das man von Neu Reddevitz per Auto oder Fahrrad erreicht, wenn man Richtung Preetz abbiegt und dem Verlauf der Straße folgt. Ein kleiner pitoresker Ort mit einem sehr schönen Hafen, der in meinen Augen mehr Urlaubsfeeling und Ruhe vermittelt als die bekannten und quirligen Seebäder Rügens.


Bildunterschrift hinzufügen


Ich war restlos begeistert, habe mir am Dorfplatz ein Matjesbrötchen und ein alkohlolfreies Bier gekauft, mich an den Bootssteg gesetzt, den Segelbooten beim Schaukeln zugeschaut und mich des Lebens gefreut, bis ein kleiner Gast meine Aufmerksamkeit gefesselt hat.

Rauchschwalbe
Danach ging es zurück auf die 196, denn ich wollte, nachdem mich Neu Reddevitz so begeistert hat, nun auch noch Alt Reddevitz kennenlernen, das am Fuße der Landzunge Reddevitzer Höft liegt, die 3,5 km lang und 300 Meter breit in den Greifswalder Bodden ragt. Alt Reddevitz ist mit Neu Reddevitz überhaupt nicht zu vergleichen. Während Neu Reddevitz völlig verschlafen wirkt, tobt in Alt Reddevitz das Leben. Da ein kräftiger Wind wehte, bevölkerten Kite-Surfer die Boddenküste, Urlauber auf Rädern fuhren durch den Ort und die Straße, die bis zur Spitze der Landzunge führt, war so befahren, dass ich meine Wanderung abbrach.
Oder sagen wir besser: ich leitete sie um auf einen kleinen Hügel, wo sich die Hofbrennerei "Zur Strandburg" befindet und wo ich mir einen süßen Schokoladenschnaps genehmigte (sehr lecker) und für den Liebsten, der daheim geblieben ist, ein Mitbringsel einkaufte. Die Hofbrennerei ist mit ihrem Café und dem Hofladen ein wirklich angenehmer Ort um zu verweilen und die Seele baumeln zu lassen. Nicht unerwähnt möchte ich auch das Café "moccavino" lassen - eine kleine Tortenmanufaktur wo man unter dem Motto "Torten machen nicht schlank aber glücklich" die köstlichsten Torten in netter Atmosphäre essen kann. Von April bis September ist Mittwoch ist Ruhetag, von Oktober bis April Mittwoch und Dienstag.

Ich war an diesem Tag auch ohne Torten glücklich, allein durch die Natur, die Landschaft, die Farben und insgesamt die Eindrücke, die ich bei meinem kleinen Streifzug auf der Halbinsel Mönchgut schon gesammelt hatte. Da die Sonne sich zeigte, zog es mich nun an den Strand, zwischendurch musste ich allerdings kurz bremsen, um den Fotoapparat zu zücken und das tolle Schauspiel von Traktor und Möwen festzuhalten.


Ich wählte den Strandabschnitt zwischen Lobbe und Thiessow, dem südlichsten Ort von Mönchgut aus und war restlos begeistert. Ein langgezogener, breiter Strandabschnitt mit weißem Sand erwartete mich und meinen Hund. Trotz Hochsaison keineswegs überlaufen, gepflegt und so einladend, dass ich am liebsten eine Strandmuschel aufgeklappt hätte und bis zum Abend geblieben wäre. Dem Hund hat es genauso gut gefallen wie mir - auch er war nach einer Stunde schwer zum Abschied zu bewegen.


Aber es gab noch viel zu sehen und so ließen wir den Strand hinter uns, ich bewunderte noch die weitläufigen Salzwiesen auf der anderen Seite der Straße und dann fuhr ich Richtung Klein Zicker, einer weiteren kleinen Halbinsel mit Steilküsten, Naturstrand und einem kleinem Berg, dem "Zicker Berg" von dem aus man einen herrvorragenden Ausblick zum Festland, bis zur Insel Usedom und auf weite Teile Rügens hat.

Na ja und wer auf Klein Zicker war, muss natürlich auch Groß Zicker besuchen, ein altes Fischerdorf, das an den "Zickerschen Alpen" - einer kleinen Hügelkette liegt, die zum Wandern einlädt und noch so manchen weiten Blick bietet.
Ich konnte allerdings nicht mehr wandern, weil mir nach diesem Tag langsam die Füße schmerzten. Eins wollte ich jedoch nicht verpassen: den Sonnenuntergang. Und so fuhr ich am Ende eines langen Tages zum Hafen von Gager und anschließend - der besseren Sicht wegen - noch zu einem kleinen Seglerhafen, um der Sonne beim "Untergehen" zuzuschauen.



Fazit: So wie an diesem Tag habe ich Rügen noch nicht erlebt. Vielleicht hatte meine Art des Reisens, das "sich treiben lassen" einen Anteil daran, aber auf jeden Fall lag es an der wirklich malerischen Schönheit, der Naturvielfalt und der unbeschreiblich beruhigenden Landschaft von Mönchgut. Ich kann diesen Teil der Insel Rügen jedem empfehlen, der Rügen abseits vom klassischen Badeurlaub kennenlernen will und der ein Auge für den Reichtum unserer Natur hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen