Sonntag, 13. April 2014

Stadtbummel durch Verona

Wir lassen den Gardasee mit seinem herrlich mediterranen Flair hinter uns und fahren auf die Autostrada Richtung Verona. Vor uns liegen rund 40 Kilometer Autofahrt durch eine Landschaft, die durchzogen ist von Apfelplantagen, Feldern, verfallenen Villen und hier und da ein wenig Industrie. Man kennt solche Strecken - fährt man sie, sind sie oft ermüdend, das Paradebeispiel dafür ist in Deutschland die A9 auf dem Abschnitt der durch Sachsen-Anhalt führt.


Dabei tut man der Gegend mit dieser Einschätzung sicher Unrecht. Von Sachsen-Anhalt kann ich das mit Bestimmtheit sagen, denn hinter jeder Abfahrt, die man nehmen kann, verbirgt sich auch etwas, das es wert ist, angeschaut und entdeckt zu werden.
Aber manchmal will man eben auch einfach nur schnell von A nach B und dann fliegen so wie auf der A9 die Windräder, die Kiefernwälder oder die endlos scheinenden Felder an einem vorbei. Dann haben die Gedanken die Freiheit dorthin zurückzuwandern, wo man herkommt, oder in die Zukunft, zu dem, was einen vielleicht erwartet. Heute ist das für uns Verona - eine Stadt, die ich bisher nicht kenne.

Angekommen, stellen wir das Auto in einem Parkhaus ab - eine gute Entscheidung, denn in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden, ist schlichtweg unmöglich. Unser Weg führt direkt zur Arena, die wir allerdings nicht besichtigen, sondern rechts liegenlassen, um weiter in den mittelalterlichen Stadtkern zu schlendern.


Und auch hier - die Zeit - also die Vorsaison - ist für Sightseeing ideal. Ich weiß, wir haben Glück, im April könnte es genauso auch kalt, nass und regnerisch sein. Trotzdem - ich mag es, wenn ich noch durch die Straßen gehen kann, statt mich durchzuschieben. Wenn die Einheimischen noch wahrnehmbar sind und nicht von asiatischen, europäischen und amerikanischen Reisegruppen verdrängt werden.

Verona kann man sich, so wie wir, gut an einem halben Tag anschauen. Freunde alter Bauwerke, römischer Geschichte und Architektur werden sicher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und meinen, dass man mindestens eine Woche braucht, um alle Schätze dieser Stadt gesehen zu haben. Ja mag sein, aber das ist auch immer eine Frage nach dem Fokus, den man auf Reisen hat. Ich picke mir lieber ein bis zwei Sachen heraus, die mich wirklich interessieren und nehme anderes eher im Vorbeigehen mit. So wie zum Beispiel die "Touristenattraktion" die erst durch Shakespeare zum Leben erweckt wurde - der berühmte Balkon. Viel interessanter als den fand ich das Meer der Unterschriften und der "Wir waren auch hier"-Bekundungen im Durchgang zum Hof.


Und viel interessanter als altes Gemäuer finde ich es, auf dem Piazza delle Erbe an den Marktständen vorbeizubummeln und mich anschließend in ein Café zu setzen und die Menschen zu beobachten.


Zwei Dinge sollte man allerdings, wenn man in Verona ist, auf gar keinen Fall versäumen. Na gut - eine Verdi-Aufführung in der berühmten Arena ist sicher auch ein Highlight - also sagen wir: drei Dinge sollte man nicht versäumen.
Meine ganz persönliche Nummer eins ist allerdings das Castelvecchio, das von dem italienischen Architekten Carlo Scarpa wirklich meisterhaft mit einer Liebe zum Detail umgebaut wurde, das man niederknien möchte. Wann immer moderne Architektur, moderne Materialien sich so in ein altes Gebäude einfügen, dass es nicht nur in neuem Glanz erstrahlt, sondern auf eine zurückhaltend elegante Art verzaubert, dann war ein wahrhaftiger Meister am Werk. Kein Knauf, keine Leiste, keine Ansicht, der man nicht ansieht, dass sie bis ins kleinste Detail durchdacht, gezeichnet und verwirklicht wurde. Einfach nur großartig! Hier ein winziger Ausschnitt aus dem Garten, eine prächtige und sinnliche Komposition von Farben und Formen:


Mein zweiter Vorschlag für Verona ist ein Spaziergang entlang des Ufers der Etsch. Direkt vom Castel aus geht es zum Beispiel auf die Ponte Scaligero - ein schöner Ort um zu verweilen, den Straßenmusikern zu lauschen und den Panoramablick zu genießen.


Doch nicht nur dort, auch an vielen anderen Stellen kann man einen Blick über das Wasser erhaschen, auf liebliche Hügel mit prachtvollen Villen schauen oder beim Blick auf das Wasser kurz wahrnehmen, dass das Leben ein ewiger Strom ohne Wiederkehr ist. Dass man nichts festhalten kann, selbst dann nicht, wenn man es mit Stacheldraht umgibt oder anschließt.


Mit dieser Erkenntnis verabschieden wir uns von Verona, steigen wieder ins Auto und fahren Richtung Vicenza, wo uns die Prachtbauten von Andrea Palladio erwarten.

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