Mittwoch, 9. April 2014

Dolce far niente - bella Italia am Gardasee

Eigentlich passt der Titel nicht ganz, denn unser kleiner Roadtrip durch Norditalien war alles andere als "das süße Nichtstun". Trotzdem passt er wiederum doch, denn auch wenn wir in einer Woche mehr von Italien gesehen haben, als andere in ihrem ganzen Reiseleben, so begleitete uns dieses Lebensgefühl irgendwie bei jedem Kilometer. Aber beginnen wir mit unserer ersten Station - dem Gardasee.


Ich frage mich natürlich, ob "Dolce far niente" nicht unter die Rubrik der "sich selbsterfüllenden Prophezeiung" fällt. Ob man Italien mit seiner Mittagspause, seinem Wein, seinem guten Essen eben nicht anders erwartet und allein das den Ausschlag für Wohlbefinden auf ganzer Linie bringt. Aber das ist es nicht. Dazu gibt es parallel dazu zu viel Hektik, zu viel Müll, zu viele knatternde Vespas, zu viele Touristen.

Also muss es etwas anderes sein. Wir begeben uns auf die Suche über die Brenner-Autobahn Richtung Riva am Gardasee.  Und schon nach zwei Stunden und gefühlten Tausend LKW's die uns entgegengekommen sind oder die wir überholt haben, passiert es.
Die Landschaft verändert sich. Die Schroffheit der Berge geht über in eine neue Gefälligkeit. Die Enge weitet sich, die Vegetation wird mediterran, alles scheint weicher und lieblicher. Und dann dieser erste Blick auf den Gardasee:


Ich möchte nicht aufhören hinzuschauen. Ich möchte verweilen, einsaugen, um dieses Gefühl immer dann hervorzaubern zu können, wenn ich in der Enge der Stadt oder in der Begrenztheit meiner Gedanken gefangen bin. Ich kann mich erinnern, wie es war, als ich vor vielen Jahren das erste Mal an dieser Stelle stand. Als die kleinen Schaumkronen der Wellen glitzerten, weiße Segel das blaue Wasser bevölkerten und die Sonne strahlte. Ich hatte Tränen in den Augen, war überwältigt von dem Anblick. Es gibt Momente, da denkt man, alles ist möglich. Da treffen Seele und Ort zusammen und verschwimmen im Gleichklang. Glücklich der, der sich einlassen kann.

Der Gardasee zeigt sich in diesem frühen April von seiner schönsten Seite. Das milde, diesige Wetter scheint alles ein wenig zu dämpfen, einzuhüllen. Im Gegensatz dazu steht die Aufbruchsstimmung, die sich überall zeigt. Nicht nur die Natur putzt sich heraus, blüht, als ob es kein Morgen gäbe. Auch die Orte sind im Aufbruch. Die meisten Hotels haben noch geschlossen.  Es wird gebaut, gehämmert, gesägt, gestrichen. Man putzt sich heraus für die kommende Saison.
Wer - so wie wir- spontan ein Quartier sucht, der muss ein wenig entlang der Küstenstraße fahren. Irgendetwas wird man immer finden, denn es gibt schon auch einige Touristen, die gerade diese Vorsaison zu schätzen wissen und darauf hat man sich hier eingestellt. Und so parken auch wir unser Auto am späten Nachmittag, beziehen ein Zimmer in einem Hotel, brechen aber gleich wieder auf, um keine Minute zu versäumen und diesen Landstrich mit allen Sinnen aufzusaugen.

Dazu gehört natürlich ein "Aperitivo". Und wo kann man den besser genießen, als in einer typisch italienischen Bar an einem der vielen kleinen Häfen entlang der Küstenstraße. Dort, wo die Einheimischen sich am späten Nachmittag treffen um zu trinken, zu plaudern, den Tag zu verabschieden und den Abend zu begrüßen. Man scherzt, man lästert, der Aperol hat den Campari verdrängt. Das Klingen der Eiswürfel im Glas harmoniert mit den Geräuschen der Fischer- und Segelboote, die in der lauen Abendbrise gelassen auf dem Wasser schaukeln. Und da ist es - dolce far niente. Nichts muss, aber vieles kann. Und am Ende dreht sich alles um die Liebe.


Spät am Abend fallen wir müde und satt von den Eindrücken ins Bett. Der nächste Tag soll früh beginnen, denn die Reise geht weiter. Vom Gardasee aus Richtung Verona und anschließend nach Vicenza. Aber nicht ohne morgens den Blick aus dem Fenster zu genießen. Darüber zu staunen, wie die Sonne sich langsam über die umliegenden Berge erhebt, der Nebel sich allmählich lichtet und eine märchenhafte Stimmung zaubert. Und nicht ohne eine Runde dort zu Joggen, wo sich in ein paar Wochen die Touristenströme entlang schieben. Wo Badegäste die winzigen Strandabschnitte übervölkern und Kinder mit riesigen Eisportionen kämpfen. All das kann man schon erahnen. Es ist schon da, obwohl uns auf unserer Strecke kaum ein Mensch begegnet.




Nach einem Cappuccino und einem kleinen Bummel durch Garda verabschieden wir uns von diesem wunderschönen Stück Erde. Ein letzter Blick nach hinten, dann schließt sich das Panorama und nistet sich wieder in der Erinnerung ein. Ich weiß, ich werde wieder an diesen Ort kommen. Wahrscheinlich nie im Sommer, sondern dann, wenn das süße Nichtstun noch genug Raum hat, sich zu entfalten.


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