Montag, 10. März 2014

Ausflug zur Mecklenburgischen Seenplatte

Wie im letzten Posting bereits angekündigt, geht es heute um das Mecklenburgische Seenland. Ein Landstrich, der durch seinen Abwechslungsreichtum besticht, durch seine kleinen und großen Seen bezaubert und für Naturliebhaber, Camper, Schlossliebhaber, Sportler und Entdecker gleichermaßen viel zu bieten hat.


Wir beginnen unsere kleine Onedaytraveler-Tour von Groß Nemerow - konkret vom Wellness Hotel Bornmühle aus. Wir haben uns nicht vorab informiert, sondern lassen uns ohne Zeitplan und Wanderkarte treiben. Vom Hotel geht es mit dem Auto über die B96 zunächst Richtung Neubrandenburg. Auf halber Strecke gibt es einen Abzweig nach Burg Stargard. Den nehmen wir, denn - wie man schon von Weitem sehen kann - steht auf dem Burgberg die mittelalterliche Burg Stargard - eine sehr liebevoll restaurierte Burg, die im 13. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich benannt wurde und die nach wie vor viel mittelalterlichen Charme versprüht.

Blick vom Parkplatz auf die Burg Stargard

Gotische Architektur mit Blick auf den Bergfried
Burg Stargard ist die nördlichste Höhenburg in Deutschland, sie liegt etwa 90 Meter über dem Meeresspiegel und der Blick vom Bergfried aus über die hügelige Landschaft ist einfach grandios. Was mir besonders gut gefallen hat - im Gegensatz zu anderen Burgen, die ich schon besucht habe - trotz der Geschichtsträchtigkeit wirkt diese Anlage nicht "muffig", sondern auf besondere Weise frisch und selbstbewusst. Mir schnürt es ja bei Besichtigungen solcher mittelalterlicher Anlagen oft die Luft ab - anders hier - der Burginnenhof lädt zum Verweilen ein, das Museum ist liebevoll gestaltet und ein Blick in den Kräutergarten und auf den Weinberg, der offiziell zum nördlichsten Weinbaugebiet Deutschlands zählt, lassen mein Herz höher schlagen.

Der Weinberg auf dem ein "Elbling" gedeiht

Infotafel am Weinberg
Weiter geht es auf der B96 nach Neubrandenburg, was direkt an der nördlichen Spitze vom Tollensesee liegt. Neubrandenburg hat einen kleinen Altstadtkern, ansonsten ist es maßgeblich geprägt von DDR typischen Plattenbauten und Nachwendebauten, die für meinen Geschmack dem Ort nicht gerecht werden. Meinem Empfinden nach hat sich diese Stadt von der fast 80 prozentigen Zerstörung durch die Rote Armee nie ganz erholt und vielleicht braucht Neubrandenburg einfach noch ein paar Jahre, um seinen Charme und sein Selbstbewusstsein wiederzufinden, das es ob der großartigen Lage am Wasser und eingebettet in eine der schönsten Landschaften Deutschlands durchaus haben könnte.

Blick vom südlichen Ufer des Tollensesees Richtung Neubrandenburg


Wir haben uns jedenfalls nach einem kurzen Stadtrundgang und einem Cappuccino in der Einkaufsstraße schnell wieder verabschiedet. Was uns allerdings im Gedächtnis bleiben wird und was sich nicht nur für Architekturinteressierte wirklich lohnt anzuschauen, ist das Haus der Kultur und Bildung. Ein Stahlbetonskelletbau mit einem 56 Meter hohen turmartigen Hochhaus, das - man glaubt es kaum - zu DDR-Zeiten extra so hoch gebaut wurde, um ein dominantes Gegenstück zur Marienkirche zu schaffen und damit, laut Wikipedia: "die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung zu demonstrieren". Ob das gelungen ist, darf bezweifelt werden - aber der Blick über die Stadt vom Aussichtscafé aus, den sollte man auf jeden Fall genießen.

Nachdem wir den Kreisverkehr um den Altstadtkern von Neubrandenburg zum dritten Mal passiert hatten, fanden wir dann auch endlich die Ausfahrt, um nun auf der westlichen Seite des Tollensesees wieder in südliche Richtung zu fahren. Wie im letzten Posting bereits erwähnt, so strahlt der See etwas aus, das sich für mich am besten mit den Worten Klarheit und Ruhe beschreiben lässt, wobei ich dazu bemerken muss, dass wir das Glück hatten, ihn in der Nebensaison und nicht im Hochsommer kennenzulernen, wenn vermutlich das ein oder andere Motorboot geräuschvoll über den See knattert.

Die nächste Station unserer kleinen Tour ist das Örtchen Alt Rehse. Hier trifft man genau das, was Neubrandenburg vermissen lässt. Eine besondere Art der Vergangenheitsbewältigung, die dem Dorf seine Präsenz und Ausstrahlung zurückgegeben hat und die jeder Besucher fühlen kann, wenn er aufmerksam ist. Es lohnt sich, in die Geschichte des Ortes einzutauchen, denn es ist unsere - eine sehr deutsche Geschichte. An dieser Stelle möchte ich auf die Webseite von Dr. Wolfgang Köpp verweisen, der auch ein Buch über Alt Rehse und sein Umland geschrieben hat. www.alt-rehse.de

Weiter geht es von Alt Rehse aus nach Penzlin über Landstraßen und von dort aus Richtung Waren und damit an die Müritz, dem größten See, der ganz innerhalb Deutschlands liegt. (Der Bodensee ist größer, Teile gehören jedoch zu Österreich und der Schweiz)
In Waren direkt halten wir nicht an, sondern fahren gleich an den "Eingang Nationalparkstadt Waren" den man auch als Nichtortskundiger gut findet. Wir stellen unser Auto auf dem Parkplatz ab, studieren kurz die Infotafel und entscheiden uns dann für den "Eichhörnchenweg" der rund 9,5 Kilometer durch den Wald und an der Müritz entlangführt. Dass das eine sehr gute Entscheidung war, wurde mir gleich nach den ersten Wandermetern bewusst. Ein Zitronenfalter - der erste in diesem Jahr - begleitete uns auf dem Weg durch einen wirklich märchenhaften Wald, vorbei an einer vermoorten Senke bis hin zur Schnakenburg, einem Aussichtspunkt von dem aus sich plötzlich der Blick über die wunderschöne Müritz öffnet. An dieser Stelle lasse ich einfach mal die Bilder für sich sprechen.





märchenhafter Waldzauber



Birkenwald am Wienpietschsee

Der Wienpietschsee

Aussichtsplattform Schnakenburg

Ein grandioser Blick über die Müritz
Und hier endet dann unsere Onedaytraveler-Tour. Natürlich nicht, ohne noch einen guten Rießling und einen Müritzfisch und dazu den herrlichen Blick auf das Wasser zu genießen.

Ich kenne einige Menschen um mich herum, die lieber in die Ferne schweifen und sagen, dass sie solche Reisen, wie eine Seenplattentour in Deutschland doch auch noch unternehmen können, wenn sie 70 Jahre alt sind. Ja, das mag sein und trotzdem denke ich, dass es von großem Wert ist, das Land in dem man lebt zu kennen. Gerade dann, wenn es solch eine spannende Geschichte hat. Und gerade der ehemalige Osten Deutschlands, der nach dem 2. Weltkrieg durch die DDR-Vergangenheit noch einmal ein anderes Gesicht bekommen hat und sich auch nach 25 Jahren Mauerfall vielerorts auf sehr eindrucksvolle Weise noch wandelt, gerade diese Orte und Landstriche verdienen unsere Aufmerksamkeit. Dort zu sein, den Wandel zu spüren, sich an der Natur zu erfreuen - damit will ich nicht warten, bis ich 70 bin.

(Anmerkung: Dieser Reisebericht ist nicht gesponsert. Bilder unterliegen dem Urheberrecht und werden nur auf Anfrage in speziellen Fällen freigegeben: jeannette.hagen@gmx.de)

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