Montag, 16. Dezember 2013

HAMBURG - meine Stadt!

Sollte ich Berlin jemals den Rücken kehren, dann nur um in der Stadt zu wohnen, die seit Jahren unangefochten auf dem ersten Platz meines persönlichen deutschen Städterankings thront: Hamburg. Mag sein, dass Berlin sexy ist, aber Hamburg ist und bleibt das Tor zur Welt.

Mit Sturmtief Xaver hat die Stadt an der Elbe die zweithöchste Flut in der Stadtgeschichte erlebt. Erstaunlicherweise ist davon nicht viel zu sehen, als ich gut eine Woche später am Elbstrand spazieren gehe. Ein paar Reste Treibgut, feuchte Wasserränder an alten Mauern, ein bisschen Unordnung in den kleinen Gärten von Övelgönne lassen nur noch ganz entfernt erahnen, wie es hier ausgesehen hat. Sicher Dank der rechtzeitigen Warnung, aber auch weil die Hamburger es nicht nur gelernt haben, mit dem gemäßigten Auf und Ab der Gezeiten zu leben, sondern auch mit Extremsituationen klarzukommen. Hamburg mag nicht so sexy sein wie Berlin, nicht so galant wie München.
Dafür ist Hamburg gelassen. Sympatisch unaufgeregt und trotzdem bunt und vielfältig. Dreckig und schick zugleich. Wenn sie irgendwann mal fertig ist, dann passt die Elbphilharmonie an keinen Ort dieser Welt besser. Hamburg ist selbst eine Symphonie. Ein virtuoses Gesamtkunstwerk. Auf den ersten Blick als Stadt ein wenig konzeptlos, entpuppt Hamburg sich beim genaueren Hinschauen als große Collage, die bis in die südlichen Vorstädte das Bild einer Hafenstadt zeichnet.

Fragst Du mich nach den Orten, die man in seinem Leben unbedingt gesehen haben muss, so gehört der Elbstrand von Hamburg auf jeden Fall unter die Top 100. Das Auto in der Elbchaussee abzustellen und schon von fern das geräuschvolle Quietschen der riesigen Verladekräne und das Grollen der Dieselmotoren zu hören, den Hang hinunterzulaufen, vorbei an Villen und alten Lotsenhäuschen und dann in der "Strandperle" oder im "Ahoi Strandkiosk" zu sitzen und das Treiben auf der Elbe und im gegenüberliegenden Containerhafen zu beobachten – das sind für mich persönlich Augenblicke, an denen alle meine Sinne auf Empfang gestellt sind und ich mich einfach nur lebendig - als winziges Teil eines so unglaublich großen Ganzen fühle. 

Du sitzt dort, siehst den Fluss, gräbst im Sommer die Füße in den gelben Sand, kühlst mit einem Drink deine Stirn oder wickelst dich im Winter in die warmen Decken ein, der heiße Tee vor dir dampft während sich vor deinen Augen die Welt dreht. Wohin fährt das gigantisch große Containerschiff? Welche Brecher muss es bewältigen, welche Stürme überstehen? Welches Leben wohnt in den Containern? Woher kommen die Menschen, die unsere Waren über alle Weltmeere bringen und oder von weit her holen? Und wie virtuos anmutend ist das Ballett, wenn ein Ozeanriese von kraftvollen Beibooten an seinen Hafenplatz manövriert wird.

Ahoi Strandkiosk



Wie? Der Cappuccino ist schon wieder alle? Lass uns noch einen bestellen, ich will hier nie wieder weg.

Dabei hat Hamburg noch so viel mehr zu bieten. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. Wenn überhaupt Weihnachtsshopping - dann hier! Schlendern durch den Neuen Wall, durch Einkaufspassagen, dann über die Schleusenbrücke zum Alten Wall und zum Rathausplatz, wo der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, der zwar sehr voll aber weitaus kultivierter ist, als so mancher Berliner Weihnachtsmarkt. Und der samstags jeweils um 18:00 Uhr und um 20:00 Uhr eine ganz besondere Attraktion bietet. Ho, Ho, Ho... hier fliegt nämlich der Weihnachtsmann!




Will man in Hamburg essen gehen, dann verlässt man sich am besten auf die Tipps derer, die in Hamburg wohnen oder arbeiten und oft, gerne und gut essen gehen - die vielen Redakteure dieser Stadt. Die stellen regelmäßig ihre Lieblingslokalitäten zusammen und bieten damit einen treffsicheren kulinarischen Kompass.
So haben wir ein Lokal entdeckt, dass wir sonst sicher nie gefunden hätten. Das Cuneo. Italienischer als dort kann es in Italien kaum sein und das mitten im Hamburger Kiez - in der berühmt, berüchtigten Davidstraße, die von der Reeperbahn abgeht. Vorbestellen macht übrigens Sinn, ansonsten ist es fast aussichtslos dort abends einen Platz zu bekommen.
Uns ist es an diesem Wochenende nicht geglückt.
Allerdings - traurig bin ich darüber nicht - habe ich doch damit einen Grund mehr, recht bald wieder nach Hamburg zu fahren. Das nächste Mal mit dem Vorhaben, Hamburgs Künstler zu entdecken. Und natürlich auch dann wieder am Elbstrand zu sitzen, ein zur Jahreszeit passendes Getränk zu bestellen, den Schiffen zuzuschauen und mir vom Nordseewind die Haare zerzausen zu lassen.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen