Freitag, 6. Dezember 2013

Barcelona - Teil 1

Fassade Barcelona Airport
"Herzlichen Dank, dass Sie mit easy-jet geflogen sind!" lispelt die Stewardess ins Mikrofon, während ich ungeduldig an dem Barcelona-Buch von Daniel Brühl zupfe und darauf warte, dass die Türen geöffnet werden. Endlich wird der Weg frei gegeben. Endlich kann ich seit langem mal wieder meinen Fuß auf katalanischen Boden setzen.

Endlich bin ich in Barcelona. In der Stadt, die mir so viel bedeutet. Vielleicht weißt Du schon, warum. Vielleicht willst Du es wissen, dann folge zunächst dem LINK, bevor ich Dich durch die Gassen von Barca führe.

Im Flugzeug fiel mir ein Nachruf auf den Verleger und Publizisten Wolf Jobst Siedler in die Hände, geschrieben von Hermann Rudolph. Ich las ihn und merkte plötzlich, dass ich eine fast magische Synchronizität erlebte. Einen Augenblick, in dem ich nur ungläubig den Kopf schütteln konnte, weil sich Ereignisse von völlig unterschiedlicher Bedeutung, irgendwie aufeinander bezogen. Was haben Wolf Jobst Siedler und Barcelona miteinander zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts.
Doch allein der Titel traf es. "Der Unzeitgemäße" lautete die Überschrift. Rudolph schrieb vom elegischen Parlando, das Siedler perfekt beherrschte, von Kultur und Geistesart, die durch ihr Dasein wirken.

All das trifft exakt auf Barcelona zu.


Blick aus der Bar Mirablau

Die Stadt ist nicht "hipp" und doch kann man sich ihrer Magie nicht entziehen.
Die Stadt schreit einen nicht an, wie es andere Städte tun.
Nein, Barcelona erzählt Geschichten. Nicht die von Helden, sondern eher melancholische, diese allerdings mit berauschender Eloquenz.

Im November nach Barcelona zu fliegen und nicht in der Hauptsaison dort zu sein, hat Vorteile. Es ist immer noch deutlich wärmer als in Deutschland, die großen Touristenströme sind versiegt und die Stadt zeigt ein wenig mehr ihr einheimisches Gesicht.

Es ist Mittag als wir in Barcelona landen. Wir fahren mit dem Aerobus für stolze 5,90 Euro pro Passagier zum Plaça de Catalunya und von dort aus mit der Metro zum Hotel. Unterwegs testen wir schon mal einen der Tipps, die Daniel Brühl in seinem Buch "Ein Tag in Barcelona" gibt. Wir essen Ensaïmadas, ein spanisches Schmalzgebäck das mit Puderzucker bestreut ist. Eine Sünde, die wir an jedem weiteren Tag begehen werden.


Angekommen im Stadtteil Gràcia, stellen wir unser Gepäck in einem Zimmer in der sechsten Etage des Hotel "Silver" ab, genießen kurz den Blick von unserer Terasse, der über Hinterhöfe bis hinauf zu dem Hügel im Park Güell reicht, auf dem die drei Kreuze stehen. 60 Luxusvillen sollten dort einst gebaut werden. Doch der Erste Weltkrieg durchkreuzte die Pläne des Baumeisters Gaudi.

Gràcia war ursprünglich eine kleine unabhängige Gemeinde, die erst 1897 an Barcelona angeschlossen wurde. Ein Stadtteil, in dem die Einheimischen sonntags auf den vielen kleinen Plätzen, die inmitten der Gassen liegen, beisammenstehen, plaudern, ihren Kaffee trinken, mit ihren Kindern spielen, ihre Hunde ausführen oder wo sie sich abends zum Essen oder Trinken treffen. Ich habe Gràcia sofort ins Herz geschlossen, weil dieser Teil Barcelonas etwas zeigt und ausstrahlt, das mir in Berlin fehlt - eine gelassene Gemeinschaft.


Blick aus dem Hotelfenster
Ich kann es kaum erwarten, mich in diese Gelassenheit und in das Leben von Barcelona zu stürzen. Schnell noch ein Foto, dann geht es los.

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