Sonntag, 22. September 2013

Cruisen durch das Havelland

Der Motor heult auf und der Sound lässt jede Zelle vibrieren. Ich sitze in einem hellblauen Mustang Cabrio Baujahr 1968, der Wind zerzaust meine Haare. Als wir die Stadtgrenze hinter uns lassen, die Brandenburger Wolken am Horizont ziehen und der Blick schweifen kann, gibt es nur noch uns und die Straße.


Natürlich ist der Mustang geliehen, das Gefühl von unbegrenzter Freiheit für einen Tag geborgt. Wir fahren vom Hof des Classic Depots Berlin und ich brauche ein paar Minuten, um mich mit dem neuen Fahrgefühl anzufreunden. Die Kopfstützen fehlen, es gibt nur einen Bauchgurt, alles ist reduziert und gerade deshalb so unmittelbar. Fahrspaß pur.
Auf der Havelchaussee kreuzen zwei Wildschweine unseren Weg. Das Bremsen ist wahrhaftig ein Bremsen, mit einem kleinen Ruck nach rechts. Zweifelsohne - wir sitzen in einem Mustang. Die Wildschweine ziehen ihres Weges während mein Fahrer wieder aufs Gas tritt und skeptisch den Meilentacho beobachtet. Wie viele Meilen sind 30 kmh?
Dann die Landstraße. Wir fliegen an Alleebäumen vorbei, mein Tuch weht, ich gewöhne mich an die Blicke der Menschen, die hinter den Gartenzäunen stehen und den Kopf drehen, wenn sie schon von fern das Röhren hören. Männer mit verliebten Nasenlöchern, die ebenfalls davon träumen, ein Mal in ihrem Leben solch ein Auto zu fahren. "Macht es einfach!", möchte ich rufen, doch dann sind wir schon weiter, wieder auf der Landstraße und ich lasse meinen Blick schweifen. Was für ein schönes Auto mit seinen Ledersitzen, der Fußmatte mit eingeprägtem Mustang, dem Lenkrad aus Holz und dem Amaturenbrett auf dem noch alles analog passiert.
Schönheit und Anmut - drinnen und draußen, denn das Havelland zählt für mich zu den sehenswertesten Landstrichen Brandenburgs. Durchzogen von Seen, Flüssen, Moorlandschaften. Der Mustang will laufen. Leider bremst alle drei bis fünf Kilometer ein Dorf seinen Drang.
Trotzdem, die Landschaft passt zu dem Wagen. Ein bisschen Weite, ein bisschen Leere, Pferde am Wegesrand.
Mittagessen im Golf Resort Semlin, dann schnell wieder auf die Straße, die Sonne und den Tag nutzen. Der Motor springt nicht gleich an, drei Mal das Gas durchtreten, hat der Mann gesagt. Eins, zwei, drei, starten, böcka, böcka, böcka...kann Krach lieblich sein? Ja.
Fahren durch Rathenow Richtung Plaue am See. Nicht wegen der Schlossathmosphäre, sondern wegen der Garagen, die wie ein verlorengegangenes Kunstwerk ihr Dasein fristen. Abstellen, fotografieren und anschließend gibt es noch einen Apfelkuchen in der Schloss-Schänke.
Rot legt sich über den Himmel. Der Blick zurück verrät, dass der Tag sich dem Ende entgegen neigt. Erfüllt, müde und mit glühenden Gesichtern bringen wir den Hengst zurück in seinen Stall.
Wie gut es doch tut, sich ab und an mal einen Traum zu erfüllen.


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